Die Ausrüstung aller Mitarbeitenden der SBB mit digitalen Arbeitsmitteln, beinhaltet als Projekt an sich schon viele Herausforderungen. Eine weitere Herausforderung kommt erst im Betrieb. Ich spreche jetzt nicht vom offensichtlichen Support von 30’000 Smartphones verschiedener Betriebssystem(-stände), sondern von der Weiterentwicklung von Services.
Schon vor der Zuschüttung des «digitalen Grabens» hatten wir eine breite Anwenderschaft. Abseits von Bezeichnungen wie digitalen Immigranten oder Eingeborenen, arbeiten bei SBB Leute mit hoher Affinität zu Informatikmitteln. Und eben andere1. Mit Ausrüstung aller Mitarbeitenden strapazieren wir diese Spannbreite noch mehr. Tendentiell werden eher IT unerfahrene Mitarbeitende in den Genuss von Informatikmitteln kommen. Es ist ein Bereich wo uns der Consumer-Markt keine Vorbilder bietet. Im Consumer-Markt spricht man «Kunden» an. Die vollständige Adaption einer Lösung in einem bestimmten Segment ist vielleicht gewünscht, aber nicht notwendig. Wenn wir als Unternehmen Services ausbringen, müssen diese teilweise von allen Anwendern genutzt werden. Nichtnutzung kann zu Prozessverschlechterungen oder Aufrechterhaltung alternativer Prozesse führen. Denn wer will schon noch Stempelkarten händisch kontrollieren?
So lautete die Werbung von Apple. Damals war Apple noch meilenweit davon entfernt in Unternehmen eine Relevanz zu haben. Die Aussagen waren auch globaler gemeint als Einfluss in Unternehmen. Aber die “crazy ones” in Unternehmen interessieren mich.
Die Leute ohne Respekt für Status Quo. Leute die Dinge einfacher machen wollen. Leute die sich von Prozessen und schleppenden Entscheidungswegen nicht entmutigen lassen. Leute die Dinge aus der Consumer-Welt nehmen und sie für Unternehmen tauglich machen. Und diese Kombination, diese Iteration bringt uns weiter. Wir werden damit nicht die Welt verändern, doch sicherlich auf Powerpoint Berge erklimmen, Segelrennen gewinnen oder Türme bauen.
Der Markt für Unternehmenssoftware wirbt seit Jahren mit den Schlagworten «Collaboration». In diesem Dunstkreis wird auf einmal alles interaktiv, sozial und effizienter. Doch was ist denn diese oft besungene «Collaboration» überhaupt?
Zum Einen ist es die englische Übersetzung des Begriffs Zusammenarbeit. Einfach genug. Zusammenarbeit findet auf verschiedenen Ebenen und in verschiedenen Formaten statt. Für meinen Erklärungsversuch habe ich folgendes erstellt:
In der obersten Zeile findet man die Phasen der Zusammenarbeit, gekürzt aber basierend auf der Definition von AIIM.
Brutales Feedback lässt mich nicht los. Nicht weil wir es inzwischen praktizieren würden, nein. Ein weiterer empfehlenswerter Podcast widmete sich dem Thema. Darin sprechen Ben Thompson und James Allworth über eine Kultur von «brutalem Feedback» und der Hervorbringung der besten Ideen. Und die besten Ideen wollen wir doch alle hervorbringen, oder?
Die beiden sprechen von dem Konflikt der Kulturen welche Ideen hervorbringen und Kulturen die eher ein Miteinander fördern. Am Beispiel von MBTI ist dies der Entscheid zwischen einer T- oder F-Typen dominierten Kultur. In einer Denker-dominierten Kultur verliebt man sich nicht in seine Ideen. So verhindert man die Verletzung bei der Diskussion um Schwachstellen einer Idee. Man sieht die brutale Kritik als Chance eine Idee zu verbessern. In meiner Erfahrung erzeugt Reibung Vorwärtskommen. So sieht es auch einer der erfolgreichsten Hedgefunds aller Zeiten. Bridgewater, hier in einem Profil des «New Yorkers» beschrieben, setzt dies in seiner Kultur konsequent um:
“Lasst uns brutales und schonungsloses Feedback üben”. So eröffnete unser Abteilungsleiter die erweiterte Führungsklausur. Ich schmunzelte. Ich habe eine eher direkte Art. Gemäss Feedback verstörend für die Einen, erfrischend für die Anderen. Wir versuchten es, kamen aber nicht sonderlich weit. Zu tief drin sind antrainierten Zurückhaltungsregeln.
Brutales Feedback fiel mir seit da immer wieder auf. Ausgelöst durch einen Artikel über die Arbeitsumstände bei Amazon, diskutierten Ben Thompson und John Gruber in der letzten «The Talk Show» über Arbeitskultur bei Apple und Microsoft wo Ben Thompson gearbeitet hat. Apple ist bekannt für seine schonungslose Ausrichtung auf Produktentwicklung. Eine seiner Präsentationen sei so heftig kritisiert worden, er habe danach an seinem Pult geweint. Er habe sich dann aber zusammen gerafft und einige der besten Arbeitsergebnisse seiner Karriere dort erbracht. Die Kritik ging nicht an seine Person, sondern an sein Ergebnis. Jony Ive habe mal eine Präsentation gut bewertet, wofür er von Steve Jobs angeblich heftig kritisiert wurde. Die Bewertung sei egoistisch. Ive habe nur gewollt, dass der Präsentierende ihn mag. Ive hätte genau gewusst, dass das Ergebnis nicht spitze war.